Freitag, 11. März 2016

Smolensk und ein Katzenbild

Sei gegrüßt Liebe*r Leser*in,

Dieses mal möchte ich dir von meinem Trip nach Smolensk erzählen. Doch zunächst ein Katzenbild, um mehr Klicks auf meinem Blog zu bekommen. Ich weiß, dass du bestimmt noch nicht genug von  Katzenbildern im Internet hast:

Katze in Talaschkino

 Wie süüüß!

 Dank des internationalen Frauentags (nachträglich nochmal meine herzlichsten Glückwünsche) haben wir in der letzten Woche wieder ein verlängertes Wochenende zugesprochen bekommen, denn der internationale Frauentag ist ein Feiertag hier in ganz Russland (Vor den Blumengeschäften wird man von den Verkäufern fast in die Läden gezerrt). Aus diesem Grund haben wir den Montag gleich mit frei bekommen. Nicht schlecht, haben wir uns gedacht. Die perfekte Gelegenheit, um einen Kurztrip in eine andere Stadt zu unternehmen. Yorick hat Smolensk vorgeschlagen, eine Stadt unweit der Weißrussischen Grenze. Interessant an dieser Stadt ist zunächst einmal, dass sie schon viele Male einzunehmen versucht wurde. Ob die Mongolen, Polen-Litauen, die Schweden, Napoleon oder die Nazis, viele waren an den Ländereien interessiert und viele Male wurde die Stadt, samt ihrer Bevölkerung unterdrückt. Letztendlich hat es die Rote Armee, zurückerobert und hat von dort aus nach dem ersten Weltkrieg die Einnahme Weißrusslands dirigiert. Aber um dich nicht weiter mit meinem Wikipedia wissen zu langweilen, jetzt mehr von unserer Reise:

Da sich unsere Reisepässe noch immer durch die mysteriösen Weiten der Russischen Bürokratie winden, sind viele Reisemöglichkeiten, um aus Moskau raus zu kommen, schonmal entfallen. Zug und Autobus kamen also nicht in Frage. Eine sehr günstige und komfortable Art zu Reisen, die auch keinen Reisepass erfordet, ist Car-sharing (Auto teilen). Internet machts möglich! für schlappe 600 Rubel, umgerechnet ca. 8€ sind wir die 300km weite Strecke, mit einem netten Pärchen, von Moksau nach Smolensk gefahren. Obwohl wir die ganze Fahrt über kaum ein Wort gewechselt haben, haben sie uns im nachhinein noch ganz lieb geschrieben, wie uns denn die Stadt gefallen habe und ob wir das, zugegebenermaßen, schlechte Wetter überlebt haben. Das hat uns dann doch sehr gefreut und wir haben es bedauert während der Fahrt nicht mehr mit ihnen geredet zu haben. Andererseits wollten wir dem Fahrer auch nicht auf die Nerven gehen.

In Smolensk heil und ausgeruht angekommen, haben wir uns dann zunächst einmal das Zentrum angeschaut. Das war an einem Nachmittag erledigt, da die Stadt im ZweitenWeltkrieg fast komplett zerstört wurde. Sehenswert waren einerseits die alten Burgmauern, die fragmenthaft die auf einem Hügel gelegene Innenstadt umschließen, und die türkise Kathedrale mit goldenen Zwiebeltürmen, die man schon vom weiten erkennen kann. Hier ein paar Bilder (alle Fotos dieses Eintrags sind übrigens freundlicherweise von Yorick zu Verfügung gestellt worden):


Aus einem mir nicht erklärlichen Grund findet jedes mal, wenn ich eine orthodoxe Kirche betrete, dort gerade ein Gottesdienst statt. Das ist zwar immer ein sehr beeindruckendes Erlebnis, aber dennoch fühle ich mich jedes mal ein wenig fehl am Platze. Ich habe kürzlich gelernt, dass es in orthodoxen Kirchen keine Musikinstrumente gibt. Es singt nur der Chor. Außerdem gibt es keine Sitzbänke, wie man es aus evangelischen oder katholischen Kirchen kennt, die Leute stehen entweder, oder sie knien und sie bekreuzigen sich ohne Pause. Wirklich beeindruckend!

Ein weiterer Ort im Zentrum, den es sich anzuschauen lohnt, ist der Park, der sich entlang der alten Stadtmauern erstreckt. Hier gibt es einerseits ein Erholungsgebiet mit Rummel, Tretbootanlage in einem kleinem Teich, einer Eislaufbahn und anderen Dingen, die aber Wetter- und Jahreszeitbedingt geschlossen waren, und einer Gedenkstätte, die an all die gefallen Soldaten und Helden der Vergangenheit erinnern soll:

Max und die angelnde Laterne
Showbühne mit dem Wappen von Smolensk

zugefrorener Treetbootteich

Springbrunnen mit Enten

Ewige Flamme in Erinnerung an die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten, rechts die Tafeln mit Namen

Denkmal für die Helden im Krieg gegen Napoleon, 1812

Fernsehturm mit Burgmauer
Nach unserer Tour durch die Innenstadt waren wir mächtig hungrig und haben Yorick einen Traum erfüllt: Einmal in einem American Diner in Russland essen gehen!
Ein wichtiger Treffpunkt für alle Smolensker: Dominos Diner
Leicht müde, gesättigt und zufrieden haben wir uns dann auf gemacht zu unserem Gastgeber der nächsten zwei Nächte. Dank Couchsurfing haben wir Philipp kennengelernt, der uns in seine Wohnung eingeladen hat und uns dort nach russischer Manier gastfreundlich und herzlich beherbergt hat. Philipp lebt unweit des Zentrums in einer geräumigen Wohnung, die er sich bis vor kurzem noch mit seiner Schwester geteilt hat, die nun aber verheiratet ist und offensichtlich mit Begeisterung Heim-Fitness-Geräte sammelt. Demnach hatte Philipp also ein Zimmer frei in dem wir für die Nacht unser Quartier aufschlagen durften. Wir haben dann noch spät in die Nacht mit ihm in der Küche gesessen und geschwatzt und unser Gastgeschenk, eine Flasche Cognac, geschlürft.

Am nächsten Tag haben wir (leider viel zu) lange geschlafen und haben uns dann auf den Weg nach Katyn gemacht, einem für Russland eher ungewöhnlichen Monument, das etwas außerhalb der Stadtgrenze liegt. Das Massengrab erinnert an die 4400 polnischen Offiziere, die im Auftrag Stalins gegen Ende des Zweiten Weltkriegs dort ermordet wurden. Bis 1990 wurde dieses Massaker, seitens der sowjetischen Regierung, dem NS-Regime zugeschoben, erst nach dem Fall der SU kamen Dokumente ans Licht, die das Gegenteil bewiesen. Bis heute ist Katyn ein starkes Symbol für die Unterdrückung der polnischen Bevölkerung zu Zeiten der Sowjetunion, insbesondere zur Zeit des Stalinismus.







Eine wirklich eindringliche Gedenkstätte!

Am Abend sind wir mit Philipp und seiner Freundin Masha in eine "Diskount-Bar" gegangen. Es war wirklich erstaunlich auf wie viel verschiedenen Wegen man dort Rabatt bekommen konnte. Einerseits gab es eine Kundenkarte, desweiteren gabs täglichen Rabatt auf spezielle Getränke. Wenn man eine bestimmte Summe erreicht hatte, gab es wiederum Rabatt. Wir haben uns eine Säule Bier bestellt, von der aus man sich dann selbser das Bier zapfen konnte. Wir hatten allerdings den Verdacht, dass das Bier mit Wasser gestreckt wurde. Dennoch war es schön mit Philipp nocht etwas Zeit zu verbringen, denn am nächsten Morgen sind wir um einiges früher aufgestanden als am Tag zuvor, um uns in ein benachbartes Dorf aufzumachen, dass eine kleine Künstlersiedlung beheimatete. Dort lebte eine Prinzessin, die zusammen mit anderen Künstlern dort eine Werkstatt betrieb, wo von Kleidung, über Gemälde, Skulpturen, Möbel, bis hin zu Balalaikas viele verschiedene Dinge hergestellt wurden. Leider wurde auch dieser Ort im Krieg von den Nazis dem Erdboden gleichgemacht, später allerdings wieder aufgebaut. Neben einem hübsch gestalteten Holzhaus, und einer Jungenschule, gab es dort auch eine Kirche, die sehr schön gestaltet ist, allerdings nur noch für Austellungszwecke dort steht.









Dann ging es für uns auch langsam wieder nach Hause. Der Fahrer auf dem Rückweg war leider nicht so toll, wie das Pärchen vom Hinweg. Erst hat er viel mehr verlangt, und dann mussten wir uns auch noch zu dritt auf die Rückbank quetschen, was bei 4-5 Stunden fahrt schon zu mittelschweren Pobackenquetschungen führen kann. Zudem trafen wir uns mit ihm an einer Autobahn Raststätte. Nur wie kommt man ohne Auto an eine Autobahnraststätte?

Durch den braunen Matsch! Apropos Matsch: Das Wetter haben wir vor Antritt der Reise leider nicht mit in Betracht gezogen. Hätten wir mal! Denn anders als in Moskau werden die Wege in Smolensk nicht geräumt. Dadurch haben sich die Straßen und Fußwege schnell zu kleinen Seenplatten und Rutschbahnen verwandelt. Nasse Füße vorprogrammiert! Ich habe mit Yorick gewettet, wer öfter hinfällt und, naja, sagen wir mal so: Ich habe verloren.
Zum Schluss noch ein paar Fotos vom eigentlichen Stadtbild von Solensk, wie man es in vielen Städten Russlands finden kann.




Und zum Vergleich dazu, das Dorf Talaschkino unweit von Smolensk:










Alles in allem habe ich unsere kleine Inlandsreise sehr genossen und ich hoffe dir hat sie auch gefallen, lieber Leser. In diesem Sinne: auf Bald, mein Freund!