Sonntag, 28. Februar 2016

Schwarze Burger im Spielautomatenmuseum

Sonntag, 28.02.2016

Liebe*r Leser*in,

ich bin sehr erfreut, dass du es wieder einmal geschafft hast meinen Blog zu lesen. Auch dieses mal möchte ich dir von meinen Erlebnissen aus den letzten Tagen erzählen.
In der letzten Woche am Dienstag war in ganz Russland der Tag der Beschützer des Vaterlandes, oder einfach Männertag. Dieser ist allerdings nicht verlgeichbar mit unserem Vatertag. Hier ist auch das Wetter noch viel zu schlecht, als dass mit einem Bierkasten im Schlepptau eine Fahrradtour um den See machen könnte. Vielmehr gibt es in der ganzen Stadt freien Eintritt in diversen Museen und auch in manchen Kinos. Am Abend gab es dann noch ein Feuerwerk um den patriotischen Februartraum abzurunden. Um in Russland Patriot zu sein, muss man nicht gleich Busse mit Geflüchteten überfallen (war das jetzt unangebracht? Entschuldigung...).
Wir sind extra zum Park Pobiedy (Park des Sieges) gefahren, der auf einem Hügel gelegen ist, um eine gute Aussicht über die Stadt zu haben. Das Tolle war auch, dass dieser Hügel immernoch ziemlich zentral  gelegen ist, so dass man diverse Feuerwerke in der ganzen Stadt sehen kann. Ich habe das Ganze auch kurz mit meiner Kamera gefilmt:


Am Tag zuvor waren wir an einem anderen spannenden Ort: Im Museum für sowjetische Spielautomaten. Dort hatten wir eine Menge Spaß! Denn ungewöhnlich für ein Museum war, dass man dort so gut wie alle Automaten, die noch funktioniert haben, ausprobieren konnte. Am Eingang hat man ein kleines Täschchen bekommen mit sowjetischen 15 Kopeken Stücken und die konnte man dann in der Halle verballern. Es gab verschiedene tolle Spiele, wie z.B. Ochota (Die Jagd); Submarin, wo man als Schütze in einem U-Boot die feindlichen Schiffe versenken muss; eine frühe Version von Snake, Pferde rennen, Autorennen, Basketballl (das war echt der Hammer, ist aber echt schwer zu erklären) und viele mehr. Ein paar Eindrücke habe ich mit der Kamera festgehalten:

Hier musste man mit einem Joystick den gegnerischen Flugzeugen ausweichen, oder, wenn man schnell genug war, sie abkanllen. Dann gab es noch einen alten Flipper, den ich auch kurz gefilmt habe:
Wie man vielleicht sieht, sind die Knöpfe schon ein bisschen ausgeleiert, was auch bei anderen Automaten schon der Fall war. Aber das macht die Sache auch erst spannend. Jeder Automat hatte seinen eigenen Charakter, auf den man sich erstmal einspielen musste.
Mein persönliches Highlight war allerdings Hockey. Das ist im Grunde wie Tischfussball, nur dass die Spieler sich vertikal bewegen und drehen. Aber seht selbst:

Leider blöd gefilmt, weil ich nebenbei spielen musste...
Nachdem wir uns schön ausgetobt hatten, konnten wir in der Hauseigenen Bar noch ein Bier trinken und einen Burger genießen. Das besondere an dem Burger war: Er war schwarz. Und zwar nicht etwa, weil das Brot aus Pumpernickel oder gar verbrannt war, sondern weil es schwarz gefärbt wurde. Ein Highlight! Ich präsentiere die schwarze Mamba:

очень вкусно!

Am Abend waren wir dann noch tanzen im Arma 7. Das war euch ein völlig neuer Eindruck, den ich von Moskau bekommen habe. Die Clubkultur in Moskau, kann mit der Berliner definitv mithalten. Aus Sicherheitsgründen keine Fotos.

Ein weiteres erzählenswertes Erlebnis war die neuen Tretjakov Galerie, unweit des Gorky Parks. Durch die Galerie zu laufen war wie durch die Zeit zu reisen. Beginnend mit dem Primitivismus von ca. 1912 geht es dann weiter zur Avantgarde, über die revolutionäre Zeit, hin zum Soz. Realismus, Stalins Tod, Tauwetter, bis heute. Da ich in Sachen Kunst kein Spezalist bin, das ist eher Yoricks Steckenpferd, und ich auch nichts falsches sagen will, lade ich einfach unkommentiert meine liebsten Bilder hoch.












Nochmal: Wenn du auf die Bilder klickst, siehst du sie ein wenig vergrößert.
Alles was ich sagen kann ist, dass es wirklich eindrucksvoll war, wie sich mit der Zeit und den gesellschaftlichen Umständen auch jedes mal die Kunst gewandelt hat. Für mich, der die sozialistische Zeit nur aus Erzählungen kennt, und deshalb dazu neigt diesen von Zeit zu Zeit zu romantiseren, waren natürlich die Bilder aus der Sowjetzeit am interessantesten. 5x6m große Bilder von Stalin und seinen Ministern, Lenin in seinem Lesezimmer, Der Fabrikarbeiter mit dem Bauernmädchen, das war alles schon eine enorme Erfahrung für mich. Aber auch die moderneren Werke haben mir sehr gefallen. Nach drei Stunden Bilder anschauen war mein Kulturdurst dann aber auch erstmal gestillt. Im Anschluss sind wir dann noch ein bisschen im Gorky Park spaziert und haben Wind of Change gesungen/gepfiffen (weil in dem Lied der Scorpions der Gorky Park auch erwähnt wird). An der Metrostation haben wir dann noch ein frisches Brot gekauft, dass extrem lecker war und an zu Hause erinnert hat.

Ende



Sonntag, 14. Februar 2016

Von Kosmonauten und anderen Helden

 Sonntag, 14.02.2016
Liebe*r Leser*in,

seit meinem letzten Eintrag hat sich einiges getan und ich weiß nicht, ob ich alles auf einmal aufschreiben werde oder ob ich zwei Teile daraus mache.

Zunächst einmal möchte ich meinen Zimmer-"Genossen" vorstellen:
Sein Name ist Yorick und er studiert, wie ich, Russisch, aber auch Kunstgeschichte. Hier ist er...
Ein besseres Foto habe ich von ihm leider noch nicht geschossen. Aber ich finde es trifft ihn sehr gut!

Mit Yorick habe ich die letzten Tage verbracht und wir vertragen und verstehen uns bisher sehr gut. Abgesehen von dem Fakt, dass ich manchmal schnarche, wenn ich was getrunken habe. Und seine Ankunft musste natürlich erstmal gefeiert werden. Je mehr ich trinke, um so lauter schnarche ich.  Das ist bisher das einzige Konfliktpotential. Aber er ist nicht der Typ mit dem man Konflikte hat. Und ich auch nicht. Deshalb genung von dem ganzen Konfliktgerede. Wir haben nämlich schon so manche Pläne geschmiedet. Zum Beispiel planen wir ein Kochbuch für Studenten, speziell in Russischen Wohnheimen zu schreiben. Und jedes Gericht in diesem Buch beinhaltet Nudeln. Oder Mayonnaise? Oder Vodka? Mindestens eine dieser Zutaten ist in jedem Gericht enthalten. Am Besten alle drei. Um dir eine kleine Kostprobe zu geben, habe ich das Resultat einer unserer Kochsessions fotografisch festgehalten. Halte dich fest lieber Leser. Es wird dich von den Socken hauen: 


Das auf dem Foto leicht gelblich anmutende Gericht besteht aus: Butter, Knoblauch, Zwiebeln und einem Konservenfisch namens горбуша (Gorbuscha). Die Übersetzung ins Deutsche fällt bei den verschiedenen  Fischsorten immer schwer, weil die meisten einfach mit Lachs übersetzt werden, während sie im Russischen viele verschiedene Bezeichnungen haben. Bei горбуша handelt es sich aber um den Buckellachs. Aber das deutsche Lachsdilemma ist wieder ein anderes Thema (Alaskaseelachsfilet ist gar kein Lachs?!). Das Ganze schmort man dann in einer Pfanne und gibt die oben erwähnten obligatorischen Zutaten hinzu, wobei man den Vodka dabei seperat genießen kann, aber nicht muss. Sehr gehaltvoll, schmackhaft und sättigend! Weitere Rezepte folgen.

Am Freitag waren wir im Museum für Kosmonautik. Und mit uns waren viele Schulklassen vor Ort. Und ich muss sagen, ich habe noch nie ein Museum gesehen, dass Kinder so sehr anspricht wie dieses! Aber nicht nur Kinder. Der Kosmos ist glaube ich ein Thema, dass alle Altersruppen fasziniert. Allein schon das Gebäude lässt einen staunen. Im Inneren eines Hügels befindet sich das Museum und oben drauf ein gut 100 m hohes Denkmal mit einer Rakete an der Spitze:


Teil der Außenfassade des Denkmals

Überwältigend, oder? Wie so oft in Moskau. Noch nie zuvor war ich in einer Stadt die so viele Superlative benötigt um sie treffend zu beschreiben. Просто огромный!
Und das allein von außen! Von innen war es unerwartet umfangreich, teilweise ins Englische übersetzt und wirklich schön illustriert und gestaltet. Die meisten Modelle der Satelliten, Triebwerke, Cockpits, etc. waren natürlich Nachbauten oder Modelle. Aber komischerweise war es genau das, was es wirklicher erscheinen ließ. Hier ein paar Impressionen, die ich festgehalten habe:




Cooler sowjetischer Raumanzug
Astronautennahrung (ähnlich dem, was Yorick und ich so zu uns nehmen)


Eine Mondsonde
Weltraumtoilette - man beachte den Schlauch, um Weltraumschweinereien zu vermeiden

Ein Gewächshaus für Outer-Space - im Leuchtenden Teil befanden sich Kunstblumen

Modell eines menschengroßen Triebwerks

links: Стрелка, rechts: Белка, Mitte: Ihr gemütliches Raumschiff - Sputnik 5

Strelka und Belka waren die ersten Lebewesen, die nach einem Flug um die Erde unbeschadet wieder gelandet sind. Anders als Laika, die ihr Leben im Namen der Wissenschaft und des Fortschritts lassen musste.
Raketen ;)

Später am Abend sind wir dann das erste mal am Abend ausgegangen. Zusammen mit ein paar Mitstudentinnen aus Italien sind wir zunächst zu Majakovskaja gefahren um dort eine Bar zu suchen, die sich im 12. Stock eines Hotels befand. Nun war dieses Hotel allerdings ein ziemlich Nobles, mit viel Gold und Liftboy. Und als wir die Bar betraten, fühlten wir uns doch eher unwohl und etwas underdressed, da alles und jeder schon sehr Schicki-Micki war. an käme sich schon blöd vor in diesem Laden ein einfaches Bier zu bestellen. Viel zu gewöhnlich! Aus diesem Grund haben wir also einmal "Im Laufschritt! Marsch!" die Bar durchlaufen und sind auf dem Balkon gelandet, wo wir  alle die Gelegenheit genutzt und alle noch schnell ein Foto von der wunderschönen Aussicht geschossen haben und sind wieder hinuntergefahren. Den Anblick teile ich gerne mit dir:

Im Anschluss haben wir, dank Yorick, der sich hier schon ein bisschen auskennt, eine schöne Bierbar mit dem Namen Pivbar gefunden und den Abend mit unseresgleichen ausklingen lassen.


Direkt neben dem Universitätsgelände an der Miusskaja befindet sich ein sehr schöner kleiner Park, den ich dir auch nicht vorenthalten möchte. Dort war ich bereits letzte Woche und habe, nach einem Spaziergang eine kurze Kvaspause eingelegt. Kvas ist eine Limonade, die aus Brot gemacht wird und ein wenig an Malzbier erinnert. Es enthält zu einem minimalen Anteil Alkohol, der beim gähren entsteht und schmeckt ausgezeichnet:

Auf meinem Spaziergang, die Novoslobodskaja entlang, habe ich auch eine hübsche kleine orthodoxe Kirche entdeckt, die mir ein Foto wert war:

храм Тихвинской иконы Божией Матери в Сущеве
Ziemlich langer Name für so eine kleine Kirche. Aber sie sticht schon hervor, zwischen all den Hochhäusern und Plattenbauten.


Zum Schluss noch ein typisch Russisches Souvenir, dass ich einfach kaufen musste:
Ein Glas Vodka im praktischen Reiseformat
























In diesem Sinne, Prost, за здорове und bis bald,

Max

Dienstag, 2. Februar 2016

Flug, Ankunft, erste Zeit

Gestern, am 1. Februar 2016, 

musste ich (für meine Verhältnisse) früh aufstehen; 6.30 um genau zu sein. Ich habe mir meinen Koffer geschnappt, der ziemlich schwer und unhandlich war, und hab ihn die meiste Zeit des gestrigen Tages hinter mir hergezogen. Meine liebe Mutter hat mich mit zum Flughafen begleitet und sie hat, das schreibe ich fürs Protokoll, nicht geweint! Um 10.30 ging mein Flieger von Berlin-Tegel direkt nach Moskau-Domodedovo. Der Flug war problemlos und ohne besondere Vorkommnisse. Das ganze Prozedere vollzog sich ungefähr so:

Start - Pilotin brabbelt irgendetwas - Ich schließe die Augen - Ich öffne die Augen - Pilotin brabbelt irgendetwas - Landung

Nachdem ich die klobige, riesige, tonnenschwere, ständig umkippende Höllenbrut von Koffer endlich wieder hatte, marschierte ich los in Richtung Aeroexpress. Das war ein Zug, der direkt vom Flughafen in die Stadt fuhr. Aber um überhaupt zum Bahnhof zu kommen, musste man erstmal an gefühlt 100 wildgewordenen Taxifahrern vorbei, die einen unbedingt mitnehmen wollten, und das nur für den doppelten, dreifachen, womöglich sogar vierfachen Preis, den man für ein Zugticket bezahlen würde. Aber ich wäre nicht Maximilian Weber, wenn ich mir davon die Laune verderben lassen würde. Hier mein erstes Foto aus Moskau im Aeroexpress:
Max im Aeroexpress

Wie man sieht, liegt hier in Moskau noch mächtig Schnee. Und das ist großartig! Frau, Rostislaveva, die Mitarbeiterin der RGGU, die ich auch schon in Berlin getroffen hatte, bedauerte gleich das schlechte Wetter und meinte, dass der Schnee hier sonst noch einen guten meter höher liegt. Steigerungswürdig.

Als der Zug dann am Pawelezer Bahnhof hielt wurde ich gleich festlich empfangen von einer Studentin der RGGU mit dem Namen Anja, die ein Schild mit meinem Namen darauf in der Hand hielt. Ich fühlte mich sofort sehr geehrt. Zusammen fuhren wir dann zum Campus, wo sich das Wohnheim mit meinem Zimmer befindet und Anja brachte mich auch zum Büro von Frau Rostislaveva, die mich auch noch einmal hier wilkommen hieß.

Mein Zimmer

ist ein Doppelzimmer, welches ich mir bald mit Yorick teilen werde, ein Kommilitone, der mit mir zusammen Russisch an der Humboldt studiert. Yorick kommt aber erst in einer Woche. Bis dahin hab ich das Zimmer noch für mich allein.
Man hört ja immer die wüstesten Geschichten über die russischen Wohnheime, und zugegeben ist es jetzt kein Hotelzimmer, aber ich muss sagen, dass ich mich hier durchaus zu Hause fühlen kann. Die Heizung ist die ganze Zeit voll aufgedereht und lässt sich nicht runterdrehen, aber ich sag mal: besser zu warm als zu kalt.

Die Küche

 sowie das Bad












befinden sich auf dem Flur


 und werden von der ganzen Etage benutzt. In meinem Zimmer habe ich:
einen Schrank (hier rechts im Bild, nicht links, das bin ich ;)),

einen Schreibtisch,
 
ein Bett
 
und ein Waschbecken...










Soweit erstmal der Lagebericht. Ich melde mich die Tage mal wieder.






Wo fange ich an?

Max's Russlandblog


Hallo lieber Leser,
schön, dass du es  auf meinen Blog geschafft hast. Ich habe mich entschlossen diesen Blog zu schreiben, um jeden, den es interessiert, von meiner Zeit in Moskau zu berichten. Dazu werde ich hier meine Erlebnisse und Erfahrungen schreiben, sowie Bilder von meiner schrecklichen Handykamera hochladen. Ich hoffe, dass ich genügend Ausdauer besitze und diesen Blog fleißig weiterführe. Aber wo fange ich an?

Die meisten, die das hier lesen werden mich wahrscheinlich schon kennen, aber nur zum Spaß fange ich am besten mit einem Steckbrief an...

Steckbrief

 

Fakten


Name:                                 Maximilian Weber
Geburtsdatum:                    22. Januar 1990 in Berlin
Wohnort:                             Deutschland, Berlin, Köpenick
Derzeitiger Wohnort:          Russland, Moskau, Wohnheim der RGGU

Merkmale


Größe:                                 1,95 m
Gewicht:                             99 kg
Augenfarbe:                        blau-grau
Haarfarbe:                           braun

Vorlieben

 

Lieblingsfarbe:                    grün
Lieblingsessen:                   Spaghetti Aglio Olio con Pepperoncino
Lieblingsmusik:                  alles Handgemachte (ähnlich wie beim Essen)
Hobbies:                             Sprachen, Musik, Computer

Tätigkeit


Student an der Humboldt-Universität zu Berlin, im Moment jedoch Student an der RGGU ( РГГУ - Российский Государственный Гуманитарный Университет, Russische Staatliche Geisteswissenschaftliche Universität) in Moskau

Ich spreche Deutsch, Englisch, Russisch und ein bisschen Italienisch.

Warum Russland?

Das haben mich viele Leute vor meiner Abreise gefragt (meist noch mit dme Zusatz: Da ist es doch saukalt!). Naja, in erster Linie weil es Teil meines Studiums ist, ein Semester im Ausland zu verbringen und die beste Möglichkeit seine Russischkenntnisse zu verbessern ist nun mal in das Land zu fahren wo diese Sprache gesprochen wird. Ein weiterer Grund ist, dass ich hier in Moskau hoffentlich viel erleben und erfahren werde, dass ich in Berlin nicht so erleben würde. Die Menschen, die Kultur, die Geschichte, das Essen, eben alles! Es wird das erste mal für mich sein, dass ich eine längere Zeit im Ausland verbringe und das bedeutet eben auch ein bisschen Abenteuer. Darauf freue ich mich besonders.