Freitag, 29. April 2016

Lange nicht gesehen

ich weiß Lieber Leser,
du bist enttäuscht, dass ich so lange nichts habe von mir hören lassen. Aber du weißt sicher wie das ist, wenn man ein Reisetagebuch führt. Am Anfang ist man ganz enthusiastisch bei der Sache und mit der Zeit lässt der Fleiß nach und der Alltag schleicht sich ein. Umso besser, dass im Moment meine Liebsten Freunde aus dem Wohnheim auf Reisen sind, so dass ich die Gelegenheit einfach beim Schopfe packen muss! Warum ICH nicht auf Reisen bin fragst du? Ganz einfach! Damit ich dir jetzt von meinen Erlebnissen aus den letzten Wochen, ja Monaten berichten kann!

Zunächst einmal möchte ich der Bitte meines Mitbewohners, Yorick,  nachkommen und Werbung für seinen Fotoblog machen. Er hat bereits im letzten Semester viele Fotos gesammelt und veröffentlicht sie auf seiner eigenen Seite:
Russische Schatten - eine Reise durch die ehemalige SowjetuinionIch finde das der Geist Russlands sehr schön in den Fotos wiedergespiegelt wird, da man im heutigen Russland defenitiv noch die Spuren der ehemaligen Sowjetmacht spüren kann. Vergangenheitsbewältigung? Fehlanzeige ;)
Also, schaut mal rein!

Jetzt muss ich tief in meinem Gedächtnis wühlen. Was ist alles so passiert?

Zunächst einmal, war ich, Mitte März, auf der Premiere des Musicals von Dostojevskijs Meisterwerk: Verbrechen und Strafe. Der Grund warum wir uns das angetan haben, war das unglaublich trashige Werbeposter dazu, auf dem man einen brennenden Luxusschlitten sehen kann. Das mussten wir sehen!
Aber schaut selbst:
Die Show war sehr unterhaltsam und definitiv sehr aufwendig organisiert! Vor der Vorstellung gab es kostenlosen, werbeunterstützten Sekt. Es war ja immerhin Premiere. Nur leider wurde im Konzertsaal sehr gut geheizt und dann ist mir der Sekt wohl doch etwas zu Kopf gestiegen, so dass ich vielleicht für 15 Minuten die Augen zu machen musste. Aber da ich das Buch ja schon gelesen hatte, so wie wahrscheinlich alle Anwesenden, wusste ich ja sowieso was passieren würde. Was noch interessant ist zu erwähnen, ist der Ticketverkauf in Russland. Da kann sich Deutschland noch eine Scheibe von abschneiden. Wenn man als armer Student Geld sparen muss, so ist das noch lang kein Grund auf Kultur zu verzichten. Hier gibt es die Möglichkeit eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung, sei es Theater, Oper oder eben Musical, zur Kasse zu gehen und gegebenfalls freie Plätze für einen Bruchteil des Preises zu ergattern.

Ähnlich habe ich es mit Yorick auch letzte Woche im Theater am Arbat gemacht. Wir wollten eigentlich ein Stück von Gogol sehen, aber das war schon ausgebucht. Stattdessen haben wir uns einfach in ein anderes Stück gesetzt, dass wir beide nicht kannten. Und dafür haben wir, mit Studentenrabbat, nur schlappe 100 Rubel bezahlt, ca. 1,25€. Na wenn wir keine Sparfüchse sind...
Und das Stück war in jedem Falle sehenswert. Es war ein franzöisisches Stück, ins Russische übersetzt, leider ist mir der Titel entfallen, und handelte von drei Männern die auf einer Terasse sitzen und in Erinnerungen schwelgen. Die Leute um uns herum haben viel gelacht, also gehe ich davon aus, dass es witzig gewesen sein muss. Aber wenn man den Kontext des Stückes nicht kennt, ist es schon schwer dem ganzen 100%ig zu folgen.

Am selben Abend waren wir noch in einer Bar. Allerdings keine gewöhnliche Bar. Es war eine Bar in Moskau-City, im 60. Stock eines Wolkenkratzers. Und wenn an diesem Abend etwas noch größer war als die Gebäude in Moskau-City, dann waren es unsere Egos. Wie Prinzen haben wir uns gefühlt in diesem "gehobenen" Etablissement.
Hier ein Beweisfoto:
 Schon beeindruckend, oder?

Wie schon in einem füheren Eintrag erwähnt, hat Russland meine Vorliebe für farbige Burger geweckt. Und als ich gehört hatte, dass in Moskau eine Krosse Krabbe aufgemacht hat (ja genau, die Krosse Krabbe, in der Spongebob Schwammkopf arbeitet), da musste ich es einfach mit eigen Augen sehen. Aufgepasst: Foto!

Siehst du die Glückseligkeit in meinem Gesicht und der anderen Gäste? Das ist das Spongebob-Gefühl! Nein, im Ernst. Die Burger waren jetzt nicht die Besten, die ich in meinem ganzen Leben gegessen habe (dafür waren sei rosa!!!), aber den Spaß war es auf jeden Fall wert!

Ein weiterer Grund, oder sollte ich sagen, eine weitere Ausrede dafür, warum ich hier solange nichts geschrieben habe, ist der Fakt, dass ich einen Job gefunden habe. Besser gesagt, hat der Job mich gefunden. Ich fahre jetzt 1-2 mal die Woche zu einer wohlhabenden Familie, um mit ihren Kindern, in erster Linie mit dem Sohn, Deutsch zu sprechen. Und der Knaller an der Sache: Neben mir gibt es noch einen Französisch- und einen Englischlehrer. Und der Junge ist erst 7. Und ich muss ehrlich sagen, mit sieben Jahren schon vier Sprachen zu sprechen ist wirklich beeindruckend! Und das alles so gut wie ohne Akzent! Die meiste Zeit spielen wir zusammen (meistens Lego) oder schauen uns deutsche Bücher an. Manchmal gehen wir auch vor die Tür und spielen Fussball, jagen uns mit Stöcken oder hauen auf einen "Angrybirds"-Boxsack ein. Jungskram eben. Leider befindet sich das Haus der Familie ein bisschen außerhalb der Stadt, so dass ich jedes Mal eine halbe Ewigkeit dorthin brauche. Aber wer wird sich schon beschweren?

Desweiteren hat sich mir eine andere einmalige Möglichkeit geboten! Da ich mich damals mit einem Projekt für mein Auslandssemster bewerben musste, habe ich einfach eine frühere Hausarbeit dafür benutzt. In dieser habe ich die beiden Russischen Lagerautoren Schalamov und Solschenizyn miteinander verglichen. Das hat der Professorin Rostislavleva, aus dem Deutsch-Russischen Zentrum der RGGU scheinbar gut gefallen. Deshalb hat sie mir jetzt die Möglichkeit eröffnet, ein Interview mit der Witwe Solschenizyns zu machen. Was für eine Ehre! Und das ganze soll auch noch in einem Internetmagazin veröffentlicht werden! Wer hätte gedacht, dass meine Journalismuskarriere hier in Russland beginnen würde? Nicht, dass ich es jemals angestrebt hätte Journalist zu werden, aber Spaß macht es mir in jedem Fall! Wenn es soweit ist, werde ich das Interview auf dieser Seite veröffentlichen. Vielleicht werde ich es auch übersetzen. Würde ja Sinn machen, da dein Russisch eventuell ein bisschen eingerostet ist.

Was noch? Achja, zu Ostern haben wir Eier bemalt:
Allerdings müssen wir das bald wiederholen, da am 1. Mai das orthodoxe Ostern stattfindet. Da bin ich aber in Kazan. Mal sehen ob wir da die Zeit finden.


So, mein lieber Leser, ich hoffe dein Wissensdurst ist jetzt wieder ein wenig gestillt. Ich versuche den nächsten Eintrag zeitlich näher anzufügen, als es das letzte Mal der Fall war.

Bleib gesund! Auf Bald!

Max





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